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Veranstaltungen

Auf zu neuen Ufern

Jan Tanner wird ab Anfang Mai 2019 wieder die Leitung des «Shopping Center Forum Switzerland» übernehmen.
Bild: Shopping Center Forum

Im Gespräch mit Jan Tanner, der ab dem 1. Mai 2019 wieder die Verantwortung für den führenden Fachkongress, das «Shopping Center Forum Switzerland», übernimmt.



Interview: Robert Altermatt

 

Warum haben Sie den Kongress vor zwölf Jahren gegründet?
Jan Tanner: Ich habe den Kongress nicht alleine ins Leben gerufen. Marcel Stoffel hat mich tatkräftig unterstützt und die Vorstandskollegen des SCSC (Swiss Council of Shopping Centers) – Barry Nussbaum, Hanspeter Gisler und Bruno Kunz –  haben dem Kongress das Patronat gegeben. Der Verband wollte den Kongress zu Beginn in eigener Regie organisieren, hat jedoch vor allem das Risiko gescheut und die Kosten nicht tragen wollen. Ich habe diese Chance wahrgenommen und 2008 die Shopping Center Forum Switzerland gegründet, welche seit der ersten Stunde die Veranstaltung organisiert. Wir wollten mit dem Kongress eine Plattform für einen Austausch schaffen sowie mit Top-Referenten spannende Inhalte vermitteln. Der erste Kongress im Jahr 2008 im Hotel Park Hyatt war zum Erstaunen vieler restlos ausverkauft, und wir mussten daraufhin ins Hotel Radisson Blu an den Flughafen Zürich umziehen, da wir dort mehr Kapazitäten haben. Danach habe ich neue Funktionen beim Stücki Shopping Basel und bei Mobimo angenommen und habe meine Anteile Dr. Olaf Marks übertragen, der mir diese nun wieder zurückverkauft hat. Er wollte mit 63 Jahren kürzer treten und ich bin motiviert, den Kongress mit neuen Formaten neu zu lancieren. In Kürze werden wir über eine Neuigkeit am nächsten Kongress berichten können.


Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights der letzten zwölf Jahre?
Es ist uns immer wieder gelungen, grosse Persönlichkeiten an den Kongress einzuladen. So ist Stararchitekt Daniel Libeskind aus New York zu uns gekommen – hat jedoch seinen Flug verpasst – und musste schliesslich mit dem Privatjet (auf eigene Kosten) an den Kongress reisen. Er hat für uns in der Schweiz das Westside in Bern konzipiert und war in New York für die Arbeiten am Ground Zero zuständig. Unvergessen bleibt auch der Auftritt von Jean Claude Biver – der mit seiner positiven Grundhaltung und seiner Überzeugung alle Teilnehmer von den Sitzen gerissen hat. Nicht zu vergessen auch unser Alt-Bundespräsident Adolf Ogi, der bereits drei Mal Gast am Forum war.


Wie beurteilen Sie aktuell die Situation der Shopping Center in der Schweiz?
Es ist in den letzten Jahren sehr viel passiert. Es wurden sehr viele neue Center erfolgreich eröffnet, die auch international Beachtung gefunden haben: Das Sihlcity in Zürich und das Westside in Bern sind gute Beispiele von Urban Entertainment Centern. Viele Center wurden in laufendem Betrieb aufwändig revitalisiert. Das war für Mieter und Center Management eine grosse Herausforderung, war aber dringend notwenig. Dieser Prozess ist erst im Gange und wird durch Leerstände in den Centern beschleunigt. Es geht nicht nur um Nachvermietung sondern um einen Transformationsprozess – allenfalls mit einer Umnutzung der Fläche sowie einer Analyse des Mieter-Mixes, um Mehrwerte und höhere Mieterträge zu generieren und die Center erfolgreich für die Zukunft zu positionieren. Persönlich fehlen mir aktuell Trendmarken wie Primark, Uniqlo, Forever 21, Hollister & Co – die würden dem Schweizer Markt gut tun. Jedoch bin ich sehr erfreut über viele Jungunternehmer, die mit neuen Konzepten in der Schweiz expandieren.


Weshalb werden Shopping-Center zunehmend zu sogenannten «Urban Entertainment Centern»?
Die Entwicklung ist für mich sehr positiv. Der Textil-Anteil war in den letzten Jahren viel zu hoch. Die überdurchschnittlichen Mieterträge haben diese Entwicklung  beeinflusst – aber für den «Marktplatz» Shopping Center war diese Entwicklung nicht gut. Zum Glück drängen viele neue Konzepte aus dem Ausland und der Schweiz auf den Schweizer Markt und das Angebot wird so schlagartig vielseitiger. So ist der Gastronomie-Anteil in den letzten Jahren von vier Prozent auf zum Teil zehn Prozent gestiegen, und neu finden auch Kinos, Bowlingcenter, Beautycenter, Kliniken, Co-Working-Spaces und vieles mehr hier eine Heimat.


Haben «klassische» Einkaufszentren in Zeiten des bommenden Online-Shoppings überhaupt noch eine Chance?
Der Online-Handel in der Schweiz macht zehn Prozent des Gesamtumsatzes der rund 91 Milliarden Franken des gesamten Detailhandels aus. Deshalb erübrigt sich dazu jeder weitere Kommentar. Shopping Center können Online in Zukunft noch besser zu Ihren Gunsten nutzen. Dieses Potenzial kann jedes Einkaufscenter in seinem Einzugsgebiet für sich in Anspruch nehmen.