Self-Checkout setzt sich im Einzelhandel immer mehr durch

Die Zahl der Geschäfte mit Self-Check-Out (SCO) ist in Deutschland innerhalb von zwei Jahren um 50 Prozent gestiegen. Trotzdem gilt Deutschland in Sachen Selbstbedienungs-Kassen nach wie vor als Entwicklungsland. An der Retail-Technologiemesse EuroCIS 2018 in Düssldorf werden führende internationale Anbieter eine grosse Palette aktueller SCO-Lösungen präsentieren.

Bild: Messe Düsseldorf

Vom 27. Februar bis 1. März 2018 trifft sich die Welt des Handels in Düsseldorf zur EuroCIS, gemäss eigenen Angaben «The Leading Trade Fair for Retail Technology». Über 400 Aussteller aus rund 30 Nationen werden ihre neuesten handelsspezifischen Lösungen in Düsseldorf präsentieren. Zu den zentralen Themen für den POS werden erneut Produkte und Lösungen rund um das Thema Self-Checkout gehören.


Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte mit Self-Checkout-Systemen hat sich in den letzten zwei Jahren in Deutschland um mehr als die Hälfte erhöht: Im Jahr 2015 hat das EHI Retail Institute 295 Märkte mit SCO-Systemen gezählt, Mitte 2017 waren es dann schon mehr als 450 – soweit die vorläufigen Daten einer erneuten Markterhebung des EHI im Rahmen seiner Self-Checkout-Initiative, bei der Kunden-, Händler- und Mitarbeiterbefragungen im Fokus standen. Zwar ist Deutschland im internationalen Vergleich immer noch Entwicklungsland in Sachen Selbstbedienungs-Kassen, aber der Markt ist mächtig in Bewegung geraten. Hierzu Detlef Rohlender, Geschäftsführer ITAB Germany: «Eine grundsätzliche Kunden-Akzeptanz ist vorhanden, der Nutzungsgrad und letztlich auch der Umsatzanteil werden stark beeinflusst vom Standort, von der Positionierung in der Kassenzone und vom begleitenden Servicepersonal.» Und Rohlender ergänzt: «Wir stellen übrigens positiv fest, dass gerade ältere Menschen den Einkauf am SCO schätzen. Kleine Einkäufe, bei denen der Kunde selbst den Takt vorgibt, sind ideal am SCO zu machen.»

Selbstbedienungskassen boomen
Die nun zunehmende Verbreitung von Selbstbedienungskassen ist im besonderen Masse auf die genossenschaftlichen Gruppen im Lebensmittelhandel zurückzuführen. Insbesondere selbstständige Kaufleute der Edeka und der Rewe haben in den vergangenen zwei Jahren die neuen Kassen in Betrieb genommen. Aber auch bei den Filialisten gibt es spürbare Bewegung. In einem Fall wurden seit dem letzten Erhebungszeitraum mehr als 50 Märkte erstmalig mit der neuen Kassentechnik ausgestattet.
Neben diesen Neueinsteigern aus dem filialisierten Lebensmittelhandel sind erste zaghafte Versuche der Drogeriemärkte zu beobachten. Auch bei den mobilen Self-Scanning-Systemen dürfte sich der Markt positiv entwickeln. Auch wenn hier derzeit keine genauen Zahlen vorliegen, geht das EHI davon aus, dass weitere Installationen hinzugekommen sind. Mitte 2016 lag die Zahl der Märkte mit mobilen Installationen bei 25. Interessant ist, dass offensichtlich zunehmend Märkte mit beiden Technologien parallel ausgestattet werden. Stationäre Self-Checkout-Stationen und mobiles Self-Scanning nebeneinander in einem Markt, dies ist in immer mehr Fällen zu beobachten.

Einzelhändlern, die planen SCO einzuführen, rät Christof von Lingen, Country Sales Leader DACH bei Toshiba: «Am wichtigsten ist in jedem Fall, die Einführung nicht als IT-Projekt zu sehen, sondern Ladenbau, Organisation und Personalführung von Anfang an mit einzubinden.» Detlef Rohlender empfiehlt besonderes Augenmerk auf den Faktor Mensch zu legen: «Binden Sie von Anfang an Ihr Personal mit ein und motivieren Sie Mitarbeiter. Suchen Sie sich einen „Entertainer“ aus dem Personal heraus, der Kunden und Kollegen positiv an das Thema heranführt. Dann wird SCO auch bei Ihnen in der Filiale Erfolg haben.»

Kundenecho zu SCO überwiegend positiv
Mobiles Self-Scanning mit dem eigenen Mobiltelefon der Kunden gibt es in Deutschland dagegen derzeit noch nicht. Und die ersten Erfahrungen in der Schweiz und in den USA deuten auch nicht darauf hin, dass hier die Technik schon wirklich praxistauglich ist.

Sicherlich darf man in Deutschland gespannt sein, wann die Discounter die ersten SCO-Installationen starten. In einigen ausländischen Märkten haben sie ja bereits sehr positive Erfahrungen mit SCO-Systemen gemacht, und es kann durchaus erwartet werden, dass die ersten Tests auf deutschem Boden bald anlaufen. Der Hauptgrund steigender Installationszahlen dürfte in der positiven Einstellung der Kunden gegenüber den SB-Kassen liegen. Obwohl das Angebot des Handels immer noch sehr gering ist, sind Bekanntheits- und Nutzungsgrad der Technologie hoch. Einer aktuellen Befragung von YouGov zufolge hat heute jeder zweite Bundesbürger bereits Erfahrungen mit Selbstscanner-Kassen gemacht.

In einer mit Kantar TNS im Jahr 2014 durchgeführten Verbraucherbefragung hatte das EHI noch deutlich geringere Nutzungsraten gemessen. Zwar lag der Bekanntheitsgrad der Systeme schon bei 52 Prozent, genutzt hatten aber nur gut 20 Prozent der Menschen die SB-Kassen, davon war etwa die Hälfte Intensivnutzer. Als Hauptmotiv der Nutzung hatte das EHI die mögliche Zeitersparnis ermittelt – für 90 Prozent der Nutzer war dies das wesentliche Motiv.

Kürzere Warteschlangen
Dies wird nun auch in der YouGov-Studie nochmal bestätigt: Etwa 62 Prozent der Nutzer gaben an, dass die Warteschlangen an den SB-Kassen in der Regel kürzer sind, und etwa 35 Prozent empfinden den Barzahlungsvorgang als schneller. Nach wie vor bietet sich Self-Checkout vor allem für kleine Warenkörbe an. Nur jeder vierte Nutzer gibt heute an, dass er auch bei größeren Einkäufen die SB-Kassen nutzt.

Interessant ist ein Blick auf die Soziodemografie der Nutzer von SB-Kassen. Auch hier werden die Ergebnisse der EHI Studie bestätigt: Tendenziell ist die Akzeptanz der SB-Kassen bei Kunden mit höheren Einkommen, höherer Bildung und niedrigerem Alter stärker ausgeprägt. Personen, die wöchentlich mehr als 90 Euro für Lebensmittel im Supermarkt ausgeben, befürworten zu 55 Prozent die Nutzung von SCO-Kassen. Der Zuspruch beträgt dagegen nur 44 Prozent in der Personengruppe, die wöchentlich weniger als 50 Euro im Supermarkt ausgibt.

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