Schweiz hat Aufholbedarf bei digitaler Innovation

 

 

Zürich - Eine neue Studie hat die digitale Innovationsfähigkeit von OECD-Ländern gemessen. Die Schweiz belegt nur den achten Platz. Vor allem in den Bereichen Start-ups sowie Investitionen muss sie noch aufholen.

 

Im Rahmen einer neuen Studie haben BAK Economics und Deloitte den Index Digitale Innovationsfähigkeit erstellt. Darin werden 35 OECD-Länder miteinander verglichen. Die Schweiz schneidet mit Platz acht zwar überdurchschnittlich gut ab. Allerdings ist sie nicht auf dem Podest, wie es bei vielen anderen internationalen Innovationsstudien der Fall ist.

Der neue Index zeigt auf, wie OECD-Länder bei der Entwicklung, Anwendung und Kommerzialisierung digitaler Technologien aufgestellt sind. Drei Grundpfeiler stehen dabei im Zentrum: Talente, Start-ups sowie Investitionen und Patente.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Schweiz im Bereich Talente den zweiten Platz belegt und damit sehr gut abschneidet. Dies ist laut der Studie in erster Linie der guten Qualität des Schweizer Bildungssystems zu verdanken. Verbesserungsbedarf besteht allerdings bei der MINT-Ausbildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und der Vermittlung digitaler Kompetenzen in der Grundausbildung.

Im Bereich Start-ups belegt die Schweiz den Platz 17 und ist damit genau im OECD-Durchschnitt. Das mittelmässige Abschneiden wird in der Studie mit der „fehlenden Gründeraffinität, der relativ geringen Start-up-Aktivität und den regulatorischen Hürden im Gründungs- und Insolvenzprozess von Unternehmen“ begründet. „Die Affinität der Bevölkerung zu Unternehmertum ist hierzulande kleiner als in angelsächsischen Ländern wie die USA, Kanada und Neuseeland“, so Reto Savoia, stellvertretender CEO von Deloitte Schweiz. Positiv werden die digitale Infrastruktur sowie die internationale Ausrichtung der Start-ups hervorgehoben.

Bei den Investitionen und Patenten schneidet die Schweiz unter den besten zehn ab. Die ICT-Investitionen seien zwar sehr hoch, die Wertschöpfung des ICT-Sektors jedoch relativ gering. „Die wichtigste Erkenntnis für die Schweiz ist, dass sie in den einzelnen Technologien international mithalten kann, aber in der Technologieverflechtung Schwächen aufweist. Sie kann ihre vorhandenen digitalen Kompetenzen nicht in dem Masse in die Entwicklung anderer Technologien einbringen wie ein Grossteil der Konkurrenzländer“, erklärt Marc Bros de Puechredon von BAK Economics.

Die Innovationsstärke der Schweiz sei derzeit vorwiegend den traditionellen, in der Schweiz stark verankerten Branchen wie der Pharma, Chemie oder Maschinenindustrie zu verdanken. Bei digitalen Innovationen bleibt die Schweiz allerdings hinter anderen Ländern zurück, folgert die Studie.

„Die Unternehmen spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, die Stellung der Schweiz im Index Digitale Innovationsfähigkeit zu verbessern. Schweizer Unternehmen haben die Wichtigkeit von Digitalisierung natürlich längst erkannt. Gleichwohl scheint das Potenzial bei den meisten Unternehmen noch bei weitem nicht ausgeschöpft zu sein“, kommentiert Savoia. ssp

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